Rheintaler Holzrücker haben einen Verein gegründet

Rheintaler Holzrücker haben einen Verein gegründet

Kurt Latzer 05.11.2020 0 Kommentare

Fuhrleute, die mit ihren Pferden Holz ziehen, haben kürzlich den Verein Rheintaler Holzrücker gegründet.

Es ist ein wunderschöner Samstagnachmittag. Andi Giger und Sandro Rohner haben ihre Pferde angeschirrt. Langsam führen sie die Tiere auf den Parcours neben den Ställen von Andreas Heule in Widnau. Den Platz mit zahlreichen Hindernissen haben die Fuhrmänner selbst gebaut. Immer, wenn es die Zeit zulässt, trainieren sie dort. Seit ungefähr zehn Jahren.

Parcours mit Tennisbällen und Glocken
«Ich arbeite mit Nic, meinem Freiberger Wallach, seit acht Jahren», sagt Sandro Rohner, Mitglied des neuen Vereins. Andi Giger hat zwei Pferde angespannt, den zehnjährigen Burgdorfer Wallach Othello und den vierjährigen Burgdorfer Omero. Die Hindernisse haben es in sich. Eine Aufgabe ist, den Baumstamm an niedrigen Pfählen, auf denen Tennisbälle liegen, vorbei zu manövrieren. Pro gefallenem Ball gibt es Abzüge. An einem weiteren Hindernis sind an Pfählen kleine Glocken befestigt, die es am Ende des Stammes zu läuten gilt. Rolf Lüchinger, Präsident der Rheintaler Holzrücker, hat seine Pferde im Stall gelassen. Er ist als Zuschauer auf dem Platz. Er schildert, warum es nun ohne Verein nicht mehr geht. Immerhin arbeiten die Rheintaler Fuhrmänner schon seit etwa zehn Jahren auf dem Platz und in Wäldern. «Wir wollen 2022 im Kriessner Wäldli ein grosses, internationales Turnier organisieren. Da braucht es eine gute Struktur. So können wir alles richtig organisieren», sagt Rolf Lüchinger. Die Gründungsversammlung im Beisein von zehn Mitgliedern habe Mitte Oktober stattgefunden.

Auch Frauen sind willkommen
Sogenannte Fuhrmannstage gibt es in der Schweiz nicht mehr viele. Zwei- oder dreitägige Anlässe gebe es hierzulande keine mehr. Auch um den Nachwuchs ist es laut der Fuhrmänner nicht gut bestellt. «Wir würden uns über Neumitglieder freuen. Auch Frauen sind willkommen. Wer Interesse am Holzrücken hat, muss am Anfang kein eigenes Pferd mitbringen», sagt Andi Giger, während er das Geschirr neu positioniert. Immer wieder sind die Kommandorufe «wisst» und «hott» zu hören, was nichts anderes bedeutet als links oder rechts. Die Pferde können nicht nur von den Besitzern geführt werden, ist Giger überzeugt.

Schonender als jede Maschine
Die gewöhnten sich auch an Nachwuchs-Fuhrmänner oder -Frauen. Ein Pferd an das Holzrücken zu gewöhnen, braucht seine Zeit. «Es sind Schrecktiere», sagt Paul Lüchinger, «nicht jedes Pferd mag es, wenn es mit den Hufen an Hindernisse stösst, wie etwa Baumstämme, Äste und dergleichen.»
Besonders dankbar sind die Holzrücker über Aufträge. Vergangenes Jahr waren es deren drei, alle im Appenzellerland. Andi Giger: «In Teufen beispielsweise haben wir in Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb rund 60 Tonnen Eschen aus dem Wald gezogen.» Vor allem auf ökologischen Flächen sei das Holzrücken mit Pferden besonders schonend. «Das war auch in Teufen ein Thema. Wir sind auf kurze Distanzen – unter 100 Meter – viel effizienter und schonender als jede Maschine», sagt Giger. Meist scheiterten Aufträge an den Holzpreisen.
«Vor ein paar Jahren waren wir in Wienacht-Tobel im Einsatz. Das war spektakulär, da mussten wir sogar vierspännig ziehen», erinnert sich Sandro Rohner. Auch sportlich haben die Rheintaler Fuhrmänner Erfolg. In den vergangenen Jahren haben sie an Turnieren einige Erfolge verbuchen können. Auch im Ausland. «Gewinnen ist schön. Kameradschaft und Geselligkeit aber stehen bei uns an erster Stelle», sagt Rolf Lüchinger.

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