Mit Ombra im Holz

Mit einer schweren Kette wird der Baumstamm an der Doppelwaage befestigt. Es wird normalerweise mit der Kreuzleine gefahren. (Bild: Hansruedi Wieser)

Der Balgacher Andreas Giger organisiert den ersten Rheintaler Fuhrmannstag mit. Damit soll die alte Tradition des Holzrückens wieder aufgenommen werden – wettkampfmässig.

HANSRUEDI WIESER

Seit das sogenannte Holzrücken als Wettkampfdisziplin bei Pferdefreunden immer populärer wird, sind wieder öfter Pferde bei Holzfällerarbeiten im Einsatz zu sehen. «Das hat weniger mit Nostalgie zu tun als mit der Freude an der Arbeit mit Pferden und dem Erhalt alter Techniken in der Holzgewinnung», sagt Andreas Giger aus Balgach. Zusammen mit seinem Kollegen Walter Spirig aus Diepoldsau schleift er hoch über Hinterforst mit den beiden Freibergerstuten Lotti und Ombra frischgefällte Baumstämme zum nächsten Strassenrand.

Giger und Spirig sind Teil einer sechsköpfigen Gruppe, die sich unter der Bezeichnung «Rheintaler Holzrücker» aus dem Verein «Freunde schwerer Zugpferde Schweiz» formiert hat.

Für Wettkampf trainieren

«Uns geht es bei dieser Arbeit auch darum, unsere Pferde zu trainieren, denen wir nachher auch in Wettkämpfen vertrauen und die sich ihrerseits auf uns verlassen», begründet Giger den Holzrücker-Einsatz ob Hinterforst.

Aufträge für Holzrücke-Arbeiten sind selten, was der St. Galler Kantonsoberförster Jürg Trümpler bedauert. Er weist auf die schlechte Preissituation hin, die zu möglichst rationellem Arbeiten zwinge. Am ehesten sieht Trümpler den Einsatz von Pferden in Gebieten mit tiefen

Böden oder erschwerter Zugänglichkeit. Giger weist in diesem Zusammenhang auf Einsätze im Naturschutzgebiet Chapfensee ob Mels hin. Jeweils von November bis März stehen die Männer mit ihren robusten Pferden der Bevölkerung in ihrer Freizeit gegen Entgelt für die Rückearbeiten zur Verfügung.

Mehrheitlich Kaltblüter

Beim Holzrücken kommen mehrheitlich Kaltblüter zum Einsatz – etwa Percherons, Noriker, Ardenner, Belgier und auch der Freiberger. Beim Holzrücken in Hinterforst hat Giger nebst der Freibergerstute Ombra auch ihr halbjähriges Fohlen Othello dabei. Dessen Vater ist nicht, wie beim Burgdorfer Pferdezuchtverein üblich, ein Ardenner, sondern ein Süddeutsches Kaltblut. Der Verein ist bestrebt, den in den Sechzigerjahren ausgestorbenen «Burgdorferschlag» des Freibergers wieder zu züchten – ein mittel- bis schweres Zugpferd, das vielseitig einsetzbar ist.

Parcours mit Baumstamm

Beim Holzrücken als Sport gilt es jeweils einen sechs Meter langen und rund 30 Zentimeter dicken Baumstamm korrekt durch den Geschicklichkeitsparcours zu ziehen. Der Führer lenkt das Pferd nur mit seiner Stimme und der Leine in der Hand – Peitschen sind verboten.

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